Weihnachten – sin o con?

Bevor es ernst wird, zur Auflockerung ein bisschen Musik: 🙂

Alternative Videoquelle (falls „in Deutschland nicht verfügbar“):
https://www.facebook.com/ProfeKemp/videos/1113192598693012/ 😉


Weihnachten feiern – ja oder nein?

Keine Angst, das soll keine Umfrage werden. *g*

Es ist einfach so, dass mir jedes Jahr mehr und mehr auffällt, wie sich immer mehr aus der „spirituellen Szene“ bemühen, sich ordentlich von Weihnachten „abzugrenzen“.

Von  dem Kommerz sowieso…. – aber auch von etwaigen christlichen Wurzeln-oder-nicht-Wurzeln. Und auch überhaupt von allem, was nur im Entferntesten nach Weihnachten riechen, hören, schmecken, duften könnte.

Ich finde das eigentlich schade.

Im Krieg mit der Religion

Ich bin zwar auch mit 19 Jahren, also vor 33 Jahren, aus der Kirche ausgetreten … sobald ich erwachsen war. Und habe lang das Christentum hinter mir gelassen. War damals echt n „nogo“ für mich in meinen jungen Jahren, diese Religion. Meine Oma schleppte mich ja noch mit in die Kirche, jeden Sonntag, als ich klein war. Die Erinnerung sagt mir, dass es dort kalt war, dass ich kein Wort verstand (damals noch Messen in Latein; katholisch), und dass ich still sein musste und mich mindestens für eine Stunde nicht bewegen durfte und „keinen Mucks von mir geben“.

Meine erste Schärfe im religiösen Argumentieren prüfte ich dann paar Jahre später mit den Zeugen Jehovas, die manchmal in den Sommerferien an die Tür meiner Oma läuteten… ich freute mich dann schon diebisch, diese aufs Glatteis zu führen. Zu lächerlich war mir deren Religionsbild. Nuja, letztlich jedes Religionsbild. Ich stritt da auch richtig gerne; war eigentlich Atheist geworden, glaubte höchstens an Ufos …. und später allen möglichen spirituellen und esoterischen Kram.

Mit 12 trat ich aus dem Religionsunterricht aus. Als Erster der ganzen Klasse oder gar des ganzen Gymnasiums. In den 70ern. Aus Überzeugung tat ich das. So nen „Bullshit“ wollt ich mir nicht mehr geben. Viele dachten es würde mir schaden. Hat es nicht. Oder ich habs nicht bemerkt. Ein Jahr später waren wir zu fünft. Noch ein Jahr später gingen von 30 Klassenkameraden nur mehr 10 in Religion. Einen mussten wir gar dazu überreden, sonst hätten wir, die „Anderen“, eine Freistunde weniger gehabt. Ich war da schon immer gern „Rebell, Revolutionär und Aufwiegler“.

Klingt gut, nicht wahr? Kann man heutzutage verkaufen *g*. Aber…. war ich nicht wirklich. Ich ging einfach nur *meinen* Weg.

Und jetzt, wo das alles längst im Mainstream angekommen ist, und es Mainstream wurde, gegen den Mainstream zu sein…. nuja…. kann man sich ja denken, was ich dann mach. Da geh ich dann nur mehr Mainstream, aber sowas von! *g*

Als ich dann paar Jahre später aus der Kirche ausgetreten bin, kamen innerhalb von paar Tagen mal paar ältere „Bet-Schwestern“ an meine Tür. Sie klingelten und sprachen laut und bewusst forsch sodass es im ganzen Haus zu hören war: „Der Pfarrer will Sie sprechen. Wahrscheinlich sind Sie aus der Kirche ausgetreten“. Ich knallte die Tür zu und der Fall war für mich erledigt. Danach weinten sie dann im Flur bitterlich und riefen weinerlich „wir brauchen doch die jungen Leute; die laufen uns alle davon!“. Ich fand das einerseits lächerlich, zweitens erbärmlich und drittens und vor allem andererseits taten sie mir auch bisschen leid. Heut sogar mehr als damals.

Jo…… ich bin nun schon sehr sehr lang mit der christlichen Religion wieder versöhnt. Nach meiner „Gotteserfahrung“ konnte ich „Gott“ oder wie auch immer man *das* gerne nennen möchte („Existenz“, „das eine Selbst“, „Nirvana“, usw) einfach überall finden. Und auch in jeder Religion finden.

Überall das All-Eine

Egal was ich las, ob die Bhagavad Gita, die Upanishaden, die Bibel, das neue und sogar an manchen Stellen das alte Testament: Es waren überall authentische Beschreibungen zu finden. Die eine Erfahrung irgendeines Menschen war überall Basis dessen, was später zu einer „Religion“ wurde. Auch im Buddhismus, im Taoismus, im Hinduismus und allen seinen Varianten. Im Sufismus. Oder im Judentum die Erfahrung von Moses „Ich bin der ich bin“ (was mit „Jehova“ übersetzt wurde als „Name Gottes“). Im Christentum „ich und der Vater sind eins“.

Überall nonduale Hinweise. Wenn man „es“ kennt ist das  absolut deutlich zu sehen: Überall der eine wahre Kern. Auch wenn die Beschreibungen sich oberflächlich nicht gleichen oder gar widersprechen. In der Tiefe sagen sie alle das selbe: „Du bist das“. „Ich bin das“. „Das Himmelreich, das Reich Gottes ist inwendig in Euch“. „In eurem Herzen ist es zu finden“. „Gott ist alles was ist – es gibt nur Gott“. „Wir sind immer schon hingegeben“. „Das ewige Tao ist alles was ist“. „Die ganze Natur ist von Manitu belebt“ und ist „Manitu selbst der uns erscheint, egal als welche Form“.

Wohin man auch blickt, blickt man nur auf „das“. Auch in der Verneinung, dem Nicht-Selbst, dem Nirvana. Was nur eine andere Seite derselben Medaille ist.

Dem, der das erfahren hat, dem ist all das kein Widerspruch. Und der kann Religionskriege letztlich nicht verstehen. Nicht spirituell verstehen. Bestenfalls nur als Ausdruck von Politik, von Angst, von Hass, und von Nichtwissen. Von Missverständnis. „Denn sie wissen nicht was sie tun“. „Und sie wissen nicht, was sie nicht wissen“ (!)

Sogar im Islam ist „das“ zu finden, nicht nur bei den Sufis, sondern auch ganz gewöhnlich … z.b. dass das Wort „Islam“ eigentlich „Hingabe an Gott“ bedeutet, und so gesehen sehr verwandt mit Bhakti-Yoga ist. Man kann da durchaus so weit gehen zu sagen „wir sind alle immer schon hingegeben“. „Es gibt nur das“. Auch der Gottesanspruch sagt in dieser Religion nix anderes als dass „Gott alles ist, was ist“. „Es gibt nichts anderes als Gott“.

Auch der Begriff „inshallah“ gefällt mir gut. Es heisst einfach: „So Gott will“. Hingegeben an das Eine. Und nichts geschieht ohne seinen Willen. „Herr dein Wille geschehe“.

Und hier sieht man auch die Verwandtschaften all dieser Religionen. Ja sogar die Verwandtschaft von „Namaste“ und dem deutschen „Grüß Gott“ ist überdeutlich…

Dschihad & Co

„Dschihad“ bedeutet übrigens eigentlich den eigenen „Kampf um Gott“. Die Suche nach Gott. Der spirituelle Weg hin zur Gotteserkenntnis. Etwas zutiefst religiös-spirituelles und persönliches, und kein Aufruf zu „Krieg im außen“.

Aber das passiert eben immer wieder, dass religiöse Texte da – oft sogar bewusst – missverstanden werden. So haben im Mittelalter die Christen Hexen verbrannt und Indianer ausgerottet, alles „im Namen Gottes“. Scheußlich das. Denn auch die Wiccareligion betet letztlich zur selben Göttlichkeit. Nur halt meist weiblich – „Pech gehabt, falsches Geschlecht!“ Welch eine Schande da jahrhundertelang geschah ! So viel Leid!

Oder in Indien, wo es Sekten gab, die Kali so interpretierten, dass nicht der Verstand sondern gleich der ganze Kopf abgeschlagen werden soll. Und so taten sie. Wortwörtlich. „Weils ja so in den Schriften steht“. Und auch Shiva, Gott der Zerstörung, lässt sich durchaus sehr destruktiv interpretieren, wenn man will und seinen Menschenhass hinter Religion verstecken möchte.

Eigentlich geht der Spruch so: „Wenn Shiva sein drittes Auge öffnet, wird die Welt zerstört“. Die eigene Welt ist damit gemeint. Maya. Die Illusion. Und auch der Irr-Glaube, dass diese Welt getrennt von Gott wäre. Aber manche sehen auch sowas dann als Legitimation für Bomben. Und was bomben sie? Das, was sie hassen.

Leider geschieht all das nicht im Namen der Religion, sondern unter Missbrauch von Religion für ganz andere Zwecke, Emotionen, Ziele, Trips. Oder aus religiösem Wahn, denn auch den gibt es natürlich. Und keiner ist davor gefeit. Niemand! Es ist eine fast unvermeidliche Begleiterscheinung spiritueller Erfahrungen. Jede Sekte kann da ein Lied davon singen.

Der Einzelne kann nur hoffen, durch diese Phasen voller Trips und Projektionen gut durchzukommen. Es ist die Phase der Auflösung. Wenn man Glück hat. Das Fegefeuer, in dem alles verbrennt, alle Glaubenssätze, alles was einmal in das System („Mensch“) reinkam. Traumatas. Vorstellungen. Spirituelle Verwechslungen. Alles was der Verstand da kreiieren kann, wird in dieser Phase als „wahr“ erscheinen.

Maya lässt grüssen. Von wegen „kreieren“. „Ich mach mir die Welt, widewide wie sie mir gefällt“. „Tiri li, tiri la, tiri hop sa sa…“.

Die Teufel die man mit sowas ruft, die wird man dann auch nicht so schnell los. Da hilft auch kein „Besen Besen seis gewesen“.

Nuja… – eigentlich war ich ja beim Islam, und wollt heute zu Weihnachten eher versöhnliche Worte zu Religion finden, und nicht abgleiten in den Sumpf. Wo war ich stehen geblieben ?? 😉

„Herr Gott, wie geht es Ihnen auf Ihrer Wolke?“

Natürlich ist Gott kein Mann im weißen Rauschebart auf einer Wolke. Das sind kindliche Vorstellungen und es ist eigentlich schrecklich, dass uns so ein Unsinn als Kinder gelehrt wurde. Sowas kann man ja nicht glauben und ist letztlich eine Beleidigung für den menschlichen Verstand.

Und Gott ist auch nicht männlich.

(Sie ist weiblich… *g*)

(Nuja, eigentlich ist „das“ eben weder-dies-noch-das und beides-zugleich. Über Shiva-Shakti und Bewusstsein-Universum-Scheindualität möcht ich mich jetzt aber nicht auch noch auslassen, das tat ich ohnehin schon 1000fach. Und heute ist ja Weihnachten… 🙂 )

Den Begriff „Gott“, ja, den habe auch ich lange lange vermieden. Auch noch nach meiner Indienzeit sprach ich lieber von „Existenz“ oder „dem Selbst“ oder „dem Nichts“ oder „das All(es)“. Ich kann gut verstehen wenn man den nicht mag. Ist voller Vorstellungen. Voller Bilder. Die davor gestellt sind. Vor *dem*. Und dadurch den Blick trüben.

Dennoch macht sich der Verstand halt so seine Bilder zu Gott. Obwohl es ja deutlich hiess: „Du sollst dir keine Bilder machen“. Aber auch das nahmen die Menschen allzu wörtlich. Und verboten gar die Malerei.

Ist das wirklich „Nichtwissen“? Oder ist das einfach nur Dummheit?!? Mangelnde Intelligenz? Oder ein „nicht zuhören können“? Sind Worte wie z.b. „All-Ein-heit“ wirklich so schwer zu verstehen ??? Ist es wirklich so abstrakt, die Verbindung von „all-ein“ und „allein“ zu erkennen? Oder von „Nobody“ und „No Body“ Von „Nothing“ und „No Thing“?

Wirklich so schwierig den selben Kern zu erkennen im „mIch“ und im „dIch“ ?

Ist die Menschheit tatsächlich so blöd ???? Ich mags nicht glauben… und die Hoffnung stirbt zuletzt (*g*).

Ja, also der Begriff „Gott“: Ich kann gut verstehen, dass man den „braucht“. Einfach nur „Universum“ zu sagen wäre nackt und kalt und sehr materiell. Es käme nicht zum Ausdruck, dass es bewusst ist, dieses Universum. Dass es lebt. Dass es allmächtig ist und omnipräsent und allwissend. Und hyperintelligent. Dass es ein Lebewesen ist. Also braucht man ein anderes Wort. Auch nicht so schwer zu begreifen, oder ?

Also habe ich ihn wieder angenommen vor einigen Jahren, diesen Begriff „Gott“. Der durch alle Kulturen geht und alle Traditionen. Immer das selbe meint, egal wie das Wort nun genau klingt und geschrieben wird.

Ich habe ihn wieder angenommen, als ich erkannte, dass eben all diese Religionen in ihrem Ursprung von nichts anderem gesprochen haben. Egal wie man es dann wirklich nennt.

Ramana sagt „Ich bin“, Nisargadata sagt „Ich bin das“ und Moses sagt „Ich bin der ich bin“. Wo ist da ein Unterschied ?

Shankara sagt „die Seele und Gott sind ident“, und Jesus sagt „Ich und der Vater sind eins“. Wo ist da ein Unterschied ?

Alles ist im Kern „das“. Es ist einfach (es) überall zu finden. Wenn man es kennt. Und es ist unmöglich es auch nur irgendwo zu finden… wenn man es nicht kennt.

Der Funke brennt – das Licht in der langen dunklen Nacht

Aber in jeder Religion ist im innersten Kern „das“ noch angelegt. Der Funke brennt. Wie auch in jedem Menschen der Gottesfunke brennt.

Mir ist Jesus heutzutage wieder viel nähergerückt. Ich bin in Frieden mit meiner Ursprungsreligion. Ich kann sie sein lassen. Kann sie nehmen. Kann ihre Irrtümer sehen, wie alle Religionen im Laufe der Zeit mit Irrtümern „geschmückt“ wurden. Und für Kriege herhalten mussten. Und für Ausreden von Machtgelüsten, Eroberungsplänen und Politik.

Und mir ist völlig egal, wann er, Jesus, genau geboren wurde. Ich sags sogar ganz ehrlich: Mit Weihnachten hat er für mich nicht wirklich viel zu tun. Weihnachten ist für mich ganz profan: Ein gutes selbst gekochtes Festmahl, ein guter roter Wein. Ein Abendmahl. Keine Geschenke. Weder für mich, noch für meine Liebste. Wir sind uns da selbst Geschenk genug. Das hab ich schon vor mehr als 20 Jahren so gehalten, mit allen meinen Exen so gehalten und so auch jetzt. Und später auch mit meinen Kindern. Weihnachtsbaum gibts bei mir auch schon 20 Jahre keinen mehr. In Gomera wächst ja nichtmal einer. Und in Indien auch nicht.

Es ist also einfach nur eine Gelegenheit zu feiern. Sich selbst und das Leben. Und eine Zeit der Besinnung. Auf Besinnliches. Obwohl… da könnt ich noch besinnlicher sein… also vor allem von der Quantität meiner „Still-Zeit“. In diesen stillen Nächten. Diesen stillen Weih-Nächten des Winters.

Der göttliche Kitsch

In diesem Sinne und ganz ehrlich: Ihr könnt nix falsch machen wenn und wie und ob ihr feiert. Und auch nix richtig. Es ist Euch überlassen. Ganz privat. Aber ich selbst bin gern kitschig. Ich mag Weihnachten trotzdem. Nicht gerade deswegen, aber dennoch. Einfach so. Mit Jesus hat das nicht viel zu tun für mich. Und dennoch bin ich ihm irgendwie in solchen Tagen näher. „Ist wohl was Kollektives“. Und warum sollte man sich mit aller Gewalt dagegen wehren? Nur um „anders“ zu sein? Sich gegen „den Mainstream“ – also das Kollektiv – abzugrenzen? Das hab ich hinter mir. Dieses Bedürfnis gibts nicht mehr. Weder mach ich groß mit, noch wettere ich stark dagegen. Und muss auch nicht jedem 1000mal sagen, warum ich nicht mitmache und dass ich nicht mitmache. Ich kann das jedem gönnen. Weihnachten. So wie er/sie/es für sich liebt und mag. Oder nicht mag.

Und heute gibts Abends eine Flasche Rotwein. Das gibts zu Hause pro Jahr nur mehr ein oder zweimal. Geburtstag ist ein guter Tag dafür. Weihnachten auch. Why not.


Weih-Nächte

Ich wünsch Euch also eine stille Nacht,
eine möglichst heilige oder wenigstens heile Nacht.
Voll himmlischer Ruh, und voll der Gnade Fülle,
auf dass sie sich über Euch ergießen möge.
Damit ihr sehen könnt, hier-und-jetzt, die Allpracht Gottes.
Der ihr seid, in Menschengestalt.

Und ich wünsche uns allen, dass wir sehen können
nicht nur Gott ins uns, sondern auch im andern,
ihn als Bruder erkennen, in jedem Volk,
in allen Völkern dieser Welt.
Und sich irgendwann all diese Völker umarmen.

Denn was immer ihr sucht: Es ist schon da.
Mitten unter Euch … und *in* Euch. Inwendig.

Und während alles schläft: ein Same wacht!
In Euch. Für Immer. Und immer schon.
Geboren aus dem ewig vereinten hochheiligen Paar
nenn es Yin, nenn es Yang, Shiva und Shakti oder Geist und Energie!
Und dieser Same kann „Mensch“ werden. Menschgewordene Göttlichkeit.
In dir. Als du. Als jeder von uns.
Alles Kinder des Einen, der Einen. Vom Einen. Im Einen. In Einem.

Überall das All-Eine.
Über All das All-Eine.
Über Allem das All-Eine.
Überall DAS alleine.

All one & alone.

Namaste & Grüss Gott.