Aufwachen oder Erwachen?

“Was willst Du? Aufwachen im Traum oder Erwachen aus dem Traum?“

Das Zitat kam mir, als ich neulich wieder mal was zum Thema „Aufwachen“ gelesen habe. Und jemand schrieb, dass nun viele Menschen aus „verdrängten Wahrheiten“ „aufwachen“.

Damit sind meist solche „Wahrheiten“ gemeint, wie z.b. politische festgefahrene Systeme, oft auch diverse Verschwörungstheorien oder eben der ganz normale Wahnsinn des „modernen Lebens“ – mit seinem Leistungswahn, Jugendwahn und Schönheitswahn. Seinem Materialismus. Seiner Oberflächlichkeit.

Oder auch ein „Aufwachen“ aus festgefrorenen Gewohnheiten, nicht mehr geliebten Hobbies, Beziehungen die nicht mehr passen …

Mir kam dazu dann auch der Spruch, den ich vorher hier nun als Einzelzitat gepostet hab:

“Hinter jeder verdrängten Wahrheit lauert eine noch tiefere verdrängte Wahrheit”

Und damit meine ich: Verdrängte Wahrheiten sind halt auch nur Illusion. Teil des Traumes.

Diese ganze moderne „Aufwachbewegung“ ist ja gut und schön, und ja, manchmal klingt das auch sehr bewusst und spirituell, „endlich bin ich aufgewacht und weiss was wirklich wichtig ist“.

Nicht dass ich das verurteilen würde, im Gegenteil. Und natürlich ist auch ein kollektives „politisches aufwachen“ und gesellschaftlicher „Fortschritt“ durchaus wünschenswert auf diesem Planeten

Jedoch, „spirituelles Erwachen“ meint letztlich was ganz anderes !

Da gehts nicht um „neue Wahrheiten“, die man bisher nicht kannte, die verdrängt waren, die verborgen wurden. Eher geht es ums Verlöschen all dieser Wahrheiten. ALLER Wahrheiten. Zu begreifen, dass man letztlich nichts weiss und es auch gar nichts zu wissen gibt !!

Es ist kein Aufwachen IM Traum…. wo man bemerkt, dass man zum allgemeinen universellen kollektiven Traum noch ne private kleine menschliche Kopfillusion dazu träumte. Hypnotisiert war von Ideen. Draufkommt, dass das, woran man glaubte, sei es eine Beziehung, sei es ein Job, sei es „die Gesellschaft“, seien es „Werte“ oder sei es tatsächlich das herrschende politische System nur vorgekaukelt waren. Und „in Wirklichkeit“ etwas ganz anders ist, als es schien.

Das wäre dann einfach nur ein „persönliches Aufwachen“ aus der „persönlichen Lebens-Illuison“. Und da gibt es dann „aufgewachte“ und „nichtaufgewachte“ Menschen, ja, klar.

Jedoch was bei „spirituellem Erwachen“ passiert, ist ein komplettes Erwachen aus dem GANZEN Traum. Da gibts dann auch keinen Träumer mehr. Noch nichtmal einen Traum letztlich. Da bleibst du als das übrig was ist, immer schon war und immer sein wird. Ohne zweites. Da sind dann keine Traumfiguren, und das was erwacht, ist auch nicht die Traumfigur. Sondern der Hintergrund, der immer schon da ist und in dem das alles erscheint.

Du erwachst zur Leinwand des Lebens und dir ist in diesem Augenblick völlig egal, was auf dieser Leinwand erscheint. Welcher Film da spielt. Was da „echt“ ist und „unecht“. Da letztlich nichts „echtes“ übrigbleibt, nichtmal „du selbst“.

Das Erwachen aus dem Traum ist der Tod der erträumten Traumfigur. Für diese ist das ein Verlöschen. Der private Film endet hier!

Da gehts nicht darum rauszufinden was nu die Wahrheit „da draussen“ ist. Weil es ein „da draussen“ überhaupt nicht gibt. Und letztlich auch kein „da drinnen“. Denn beides ist eins. Das bist du. Alles. Der ganze Traum. Diese ganze Fata Morgana. Und du zerplatzt darin wie eine Seifenblase. Plop.

Nochmal… „aufwachen“ aus was auch immer ist natürlich nett und schön und für die Person angenehm. Sie kommt zu mehr Klarheit und relativer Wahrheit. Aber wenn du aus dem ganzen Traum erwachst, ist dir völlig wurscht, ob hier ein Finanzsystem zusammenbricht oder nicht, ist dir völlig einerlei, ob hier Bundeskanzler gewählt werden oder Schattenregierungen herrschen. Selbst die Umweltzerstörung ist da einfach nur Teil des Films, beliebig austauschbar.

Du weisst dass letztlich nie jemand stirbt oder geboren wird. Du weisst, dass das, was du bist, ewig ist, und nichts daneben oder außerhalb existiert. Auch nicht innerhalb. Du bist ein Nichts, dass davon träumt, ein Universum zu sein. Was dann in diesem Traum geschieht, ist dir als dieses Nichts völlig einerlei. Da gibts dann auch nichts zu „verbessern“ und letztlich auch nichts zu „verstehen“. Das Verständnis selbst ist schon erträumt (!) und Teil des Traumes.

Beim spirituellen Erwachen zählt also nur die Leinwand, und nicht das was darauf erscheint. DAS heisst „aus dem Traum erwachen“. Damit ist der GANZE Traum gemeint. Aber sei dann nicht mit der Leinwand identifiziert, auch das ist nur eine Phase. Du bist nichtmal diese Leinwand.

Es geht also nicht darum, den Traum „schöner“ zu machen oder „bewusster“ zu erleben oder gar „achtsamer“. All das sind dann nur Begleiterscheinungen, die geschehen können, wenn sie von selbst geschehen. Und ja, natürlich geschehen sie.

Aber zuerstmal gehts nur darum zu erkennen, dass es einfach nur ein Traum ist. Inklusive der Traumfigur, die du glaubst zu sein.

Und dann…. dann hast du noch immer genug Zeit, die Welt zu „verbessern“, so du das dann überhaupt noch möchtest. Denn manchmal erscheint gerade das dann als Blasphemie. Als Blasphemie an der Welt an sich. An Gott. An der Schöpfung wie sie ist. Wenn ein kleines Menschlein meint, wie die Welt zu sein hätte. Viel eher ergibt man sich dann im „dein Wille geschehe“. Lernt Demut. Kommt in Frieden mit „was ist“. Was auch immer dann ist.

Der wirkliche Frieden beginnt genau dort, alles genau so anzunehmen, wie es ist. Alles andere wäre nur ein aufgesetzter, ein „gemachter“ Friede.

Und dann… langsam langsam…. kannst du später gern auch wieder deine Änderungswünsche annehmen, als eben auch „das was ist“. Wenn dem eben so ist. Mühelos. Und dann darf sich auch gerne etwas verändern. Tut es ohnehin von selbst. Und vom Selbst.  Immer schon.

Und hinter jedem Zusammenbruch lockt dann die Blüte des Neuanfangs. Ewiglich. Und das ist auch gut so.

Aber bitte nicht profanes Aufwachen im Traum, als Traumfigur, mit dem Verwechseln was das Erwachen dessen ist, was du wirklich bist und immer schon warst und immer sein wirst. Jenseits dieses Traumes. Jenseits von Raum und Zeit. Das, in dem und aus dem Raum und Zeit erscheinen.

Du bist zwar dann nur ein Nichts, das einzige Nichts das existiert…. – aber dieses Nichts ist dennoch so unendlich viel mehr als alles, was jemals aus diesem Nichts entstehen könnte und darin auch wieder vergehen wird.

Und als Mensch bist du einfach nur weiterhin eine erträumte Figur. Egal für wie „wach“ sich diese Figur auch immer halten möge.

Edgar only (grau-klein)


PS: Das Schlimme am Begriff „Erwachen“ ist ja, dass man meinen könnte, da würde jemand „erwachen“. Also eine Traumfigur würde aus ihrem eigenen Traum erwachen. Und dann nicht mehr träumen. So stellen sich das die meisten dann vor.

Doch: Weder gibt es einen „eigenen“ Traum. Noch kann die Traumfigur erwachen. Die endet einfach nur. Wie im Nachttraum auch. Auch da erwacht keine Traumfigur. Niemals.

Das ist das größte aller Missverständnisse zu dem Thema: Der Glaube, dass eine Traumfigur „erwachen“ könnte. Eine Traumfigur kann gar nix. Die träumt nicht. Sondern die ist geträumt. Und genau das ist die übliche Verwechslung.



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