Nondualität

Advaita und Neo-Advaita

Was mir an der üblichen Neo-Advaita-Szene am meisten auffällt, ist, dass sehr viele kein Advaita (= „Nondualität“) lehren. Sondern oft eher eine Form von Nihilismus. Oder einfach ein Auge schliessen, und das andere Auge zur Wahrheit erklären. Klingt dann ja auch gut und verstanden. Und dann wird mit halben Wahrheiten jongliert. Oft werden diese dann zu Argumenten, zu Knüppeln, weil dann ja das sehende Auge Kirtag hat, und ungestört auf das geschlossene blinde Auge einprügeln kann. Im Außen zumindest.

Ich liebe den Advaita. Manchmal möchte ich mich aber am Liebsten von der ganzen Szene entsagen. Oder zumindest von manchen Randbereichen. Vor allem von diverser Art von Schülerschar mancher Lehrer, die dann so tut als hätte sie die Erfahrung der Nichterfahrung selbst gemacht und man dann ewig die selben Formeln hört ala „mich gibt’s gar nicht“, „hier ist niemand“. Oder auch „es gibt nur mich“, oder „ich bin“ und „ich bin“ und apropos, „ich bin“. Oder „mich gibts gar nicht“. Hatten wir schon. Ja, austauschbar. Und ja, eine Gebetsmühle. Eine Wahrheit die zur Phrase verkommen ist.

Nuja, das ist letztlich ein normaler Prozess und „ist halt so“. Aber z.b. in Facebook muss man mittlerweile schon Slalom fahren wie Marcel Hirscher oder weiland Ingmar Stenmark, um solchen Überall-Kommentierern und „Frischlingen“ zu entkommen.

Advaita heisst ja nicht umsonst Nicht-Zweiheit. Das, was als zwei erscheint, ist zwar letztlich eins (bzw keins). Dvai heisst aber Zwei. Dvai-ta heisst Zwei-heit. Und A-Dvaita eben Nichtzweiheit. Nondualität. Und das hat einen Grund, warum man nicht einfach „Einheit“ sagt (oder „Keinheit“).

Der Grund liegt genau dort wo all das Yin und Yang das eine ewige Tao bildet, wo Shiva und Shakti zwar als zwei scheinbare Formen erscheinen aber letztlich ewig vermählt sind, verschmolzen, verbunden, von der selben Essenz.

Die Wahrheit ist einfach schrecklich für den menschlichen Verstand, der in entweder-oder-Kategorien denkt. Denn für diesen sind Subjekt und Objekt einfach zwei; eben getrennt. Durch diese Denke erscheint auch „Ich und die Welt“ als Zwei. „Ich und Gott“ als Zwei. Sein und Nichtsein: Zwei. Alles und Nichts: Zwei. Und selbst Eins und Keins sind dann für den „normal denkenden Verstand“ eben Zweierlei.

Duales Denken: „Entweder-Oder“

On und Off: Zwei. 0 und 1: Zwei. Der menschliche Verstand denkt letztlich wie ein Computer. Binär. Und kennt nur dies oder das. Er kann nicht mit einem „sowohl-als-auch“, und er kann auch nicht mit einem „weder-noch“. (Was letztlich das Selbe ist).

Denn in dem Augenblick, wo er das könnte, wo er akzeptieren kann, dass Yin gleich Yang ist, dass Shiva gleich Shakti ist, das Sein gleich Nicht-Sein ist, dass Nirvana gleich Maya ist, dass Gott gleich Nichts ist, dass Subjekt gleich Objekt ist, dass es letztlich hier „fucking keine Zwei gibt“, so verschieden sie auch immer erscheinen mögen…. dass hier letztlich einfach nur ein ewiges Paradox existiert… etwas, dass gar nicht existeren dürfte … dass dieses ganze Sein ein einziger ewiger Widerspruch zu sich selbst ist ….

… in dem Augenblick würde er, der menschliche scheinbar individuelle Verstand, angesichts dieser Unmöglichkeit kollabieren. Peng und aus. Und Stille. Tilt. Nichts geht mehr. Rien ne va plus.

Wobei Quantenphysikern trau ich noch halbwegs zu, angesichts dieser Unmöglichkeiten gedanklich zu überleben. Denn sie haben sich an diese Unmöglichkeiten langsam gewöhnt. Teilchen und Welle sind Nicht-Zwei. Raum und Energie sind Nicht-Zwei. Existenz und Nicht-Existenz sind Nicht-Zwei. Schrödingers Katze lebt und ist tot zur selben Zeit. 😉

Aber Advaita-Zombies, die leere Formeln vor sich hinbeten, haben das noch nicht kapiert. Sie kennen ja nur die Formeln. Nur eine Seite der Medaille. Meist die, die sie von ihrem Lehrer halt verstanden haben. Mit dem Kopf. Mit dem Verstand. Oder glauben, verstanden zu haben. Das was der Kopf dann draus macht. Als Vorstellung. Die dann davor gestellt ist. Die Sicht versperrt.

Und so wird dann z.b. fleissig ein Auge zugedrückt, und das andere erklärt sich als „nondual“. Naja, logisch, ist ja dann nur mehr eines da.

Ein Auge zudrücken ist nicht Nondualität

Je nach Wahl wird mal die Welt zur Illusion, mal das Ich… – Nicht falsch verstehn, es ist ja nicht so, dass dies nicht beides auch stimmen würde. Die Betonung liegt aber auf auch. Doch das auch ist nur einen Hauch zu weit entfernt von Verständen die sich gern an Formeln festhalten. „So ist das“. „Genau so und nicht anders“ (sagen sie und denken sie).

Dann ist man z.b. „nicht-identifiziert“. Und alles andere ist das Ego. Und dann hamma wieder schön Trennung. Hier das Selbst, dort das Ego. Hier die Stille, dort das Denken. Die Guten ins Töpfchen, die Schlechten ins Kröpfchen. Wie es der Verstand gelernt hat. Dann halt im Namen von „Spiritualität“. Was ja okay ist. Aber wenns im Namen von Advaita ist, ists peinlich. Beziehungsweise tut einfach weh. Total weh. Solche Dummheit schmerzt regelrecht.

Und doch heisst das noch lange nicht, dass ich von dieser Dummheit z.b. befreit wäre. Sie ist Alltag. Sie ist alltäglich. Ich kenn sie, hab sie erlebt und durchlebt. Und kann darüber lachen. Zumindest über meine eigene. Eben weil ich darüber lachen kann wird es bestenfalls zum Spiel. Ein Advaita-Zombie nimmt sich allerdings in seinen Mantren „Mich gibt’s gar nicht – hier ist keiner“ todernst. Tod zu sein ist aber keine ernste Angelegenheit. Zumindest nicht für den Toten… :- )

Subjekt und Objekt… die Betonung liegt auf „und“. Ich bin Subjekt *und* ich bin Objekt. Ich bin nichts davon *und* ich bin beides davon. Ich bin „sowohl dies, als auch das“. Und gleichzeitig bin ich weder dies, noch das.

Hier wird nicht getrennt zwischen „Erscheinung“ und „den Raum in dem es erscheint“. Denn kein Objekt ohne Subjekt. Kein Subjekt ohne Objekt. Ich kann nicht sagen, hier wäre kein Subjekt. Und auch nicht, hier wäre ein Subjekt. Gleiches gilt für das Objekt. Beides ist auf mystische Weise verwoben und eins. Gleichzeitig keins. Als wäre es in einem dritten in diesem Universum unbeschreibbaren Seinszustand. Halb so und halb so. Ein Nichts, dass so tut, als würde es existieren. Und da mein ich nicht nur „mich“. Nein, ich spreche hier letztlich vom ganzen Universum. Das zugleich ist, als auch nicht ist. Samsara und Nirvana: Nicht-Zwei. Eins und Keins zugleich. Und nicht dies und nicht das, genannt „neti-neti“. Die Antwort einfach nur Mu!

Was mich selbst betrifft: Gleichzeitig alles – gleichzeitig nichts … und gleichzeitig und auch am allerliebsten ein Mensch. Mit Ego. Mit Verstand. Mit allem was zum Menschsein dazugehört. Vor allem auch mit Gefühlen und Emotionen (!)

Der Traum träumt sich selbst

Der Traum träumt sich selbst, die Schöpfung schöpft sich selbst, in jedem einzelnen Moment. Da ist nichts getrennt davon, absolut rein gar nichts. So fest man auch Augen, linke wie rechte zudrücken möge. Kein jenseitiger Schöpfer. Keine Trennung zwischen Erleuchtung und Unerleuchtung, oder zwischen Erwachten und Nicht-Erwachten (die Nicht-Erwachten sind mir oft lieber; mit denen kann man noch normal reden. Nunja, mit manchen Erwachten eh auch. Wenn sie durchgeknetet sind irgendwann, und alle Zustände und neu eingebrannten Glaubenssätze und Mantren wieder losgeworden sind…. wenn sie wieder Mensch sind; dann umarmen wir uns, lieben wir uns, „was für eine geile Show“ ….. – aber solang sie oft noch frisch sind, und beginnen zu „lehren“, ihre grad aktuelle, halbgare und oft einseitige Sicht…. „nuja“. ).

Kein ewiges Subjekt ohne Objekt. Kein illusionäres Objekt ohne gleichzeitig illusionäres Subjekt. Beide sind eins. (Auch das weiss die Quantenphysik mittlerweile). Und beide, ja BEIDE, sind vergänglich (!). Und letztlich illusionär. Aber „alles was wir haben“.

Sie können erscheinen als seiend, oder als nichtseiend. Nichts davon ist absolut. Und nie sind sie getrennt. Entweder sind sie. Oder sie sind nicht. Scheinen zu sein. Oder scheinen nicht zu sein. Aber niemals ist jemals ein Objekt ohne Subjekt. Gibt es nicht. Und auch kein Subjekt ohne Objekt, denn das Objekt ist letztlich die scheinbare Selbst-Verwirklichung des Subjekts. Ein Subjekt ist ohne Objekt nicht nötig. Löst sich in Luft auf. War nie gewesen. Und so wird Eins zu Keins. Und ist doch dasselbe. Ewig. Und Nie.

Letztlich ist die ganze Trennung und Differenzierung zwischen Subjekt und Objekt obsolet. Ein einziger riesengroßer Irrtum. Immer schon gewesen. „Ich bin nicht mein Körper“: Haha. Aber du bist auch nicht dein „Ich bin“. Und bist auch nicht dein „Ich bin nicht“. Du bist letztlich nichts von alle dem. Und alles.

Hier borge ich mir mal ein Video aus, dass dies sehr schön veranschaulicht:


Advaita ist das radikale Ende jeder eingebildeten Zweiheit.
Nicht nur „Ich und Gott“ oder „Seele und Gott“ sind nicht Zwei.
Sondern viel radikaler ist Advaita letztlich die „Weltformel an sich“.

Der Urgrund allen Seins.
Der Mechanismus von Werden und Vergehen
– und gleichzeitig von Beständigkeit.

Der ewige Wandel und das ewige Nichts,
ewig vereint und nie geschehen.
Das Nichts, dass noch beständiger ist als der Wandel !

Und unbeständiger zugleich, denn:
Das Nichts zerfällt im Sein genau so,
wie auch das Sein im Nichts zerfällt.

Ewig vermählt.
Nicht ohne-ein-ander.
Ohne ein-Ander(es).

Ein seiendes Nichts.
Ein nicht-seiendes Etwas.
Zugleich!

Deshalb liebe ich Advaita. Weil es alles ist, was ist. Und alles umarmt. Und nicht nur nichts ausschliesst, sondern selbst das Nichts nicht ausschliesst. Diese ewige Null die glaubt zu sein. So wie ich. 😉

Edgar only (grau-klein)

PS: Natürlich ist auch der Neo-Advaita eins mit allem. Und der Advaita-Zombie auch nur Gott… – verkleidet als Komiker halt. Aber verarschen: Verarschen tut er damit hauptsächlich nur sich selbst. Wie immer. Ist ja auch kein anderer da… 🙂



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