Kundalini, Dämonen & Evolution

Heute möchte ich mich mal mit einer etwas andere Sichtweise zu Kundalini beschäftigen, einer, die vor allem im Mittelalter in der westlich-christlichen Kultur vorherrschend war:

Kundalini & Dämonen 🙂

Ausgelöst wurden meine Gedanken dazu durch einen Facebook-Kommentar, den jemand (mir zuvor Unbekannter) auf meiner Facebookseite hinterlassen hat. Dort hatte ich Werbung gemacht für einen Kundalini-Kongress, wo ich als Redner dabei bin, und drunter stand dann u.a. folgender Kommentar:

„Meiner Ansicht nach verkörpert die Kundalini die Dämonen im Menschen, und wenn man von einem Erwachen diesbezüglich spricht, ist es das entweichen dieser Kundalini.“

Diese Sichtweise fand ich dann doch spannend !

Vielleicht hätt ich noch vor paar Jahren „so einen“ Kommentar gelöscht, vielleicht sogar auch gleich den Kommentierenden blockiert, und ihn einfach in ne Schublade „christlicher Fundamentalist“ o.ä. gesteckt.

Ich fand – und finde – einfach alles, was die Kirche da im Mittelalter verbrochen hat, an Hexen, an anderen Kulturen, Indianern, auf anderen Kontinenten, aber auch z.b. an den Ureinwohnern hier auf den Kanaren (die „Guanchen“) einfach schlimm. All die Teufelsaustreibungen, die Inquisition, die Hexenverbrennungen, das Blindsein gegenüber der Weisheit von Naturreligionen und und und …  einfach ein totaler No-Go. Als ich 19 war, war das damals für mich mit ein Grund, aus der Kirche auszutreten und schon als ich 12 war, meldete ich mich freiwillig und als der Erste meines Gymnasiums vom Religionsunterricht ab (was man „damals neuerdings“ durfte, ohne Zustimmung der Eltern).

Aber ….. dieses obige Zitat hat doch auch etwas in mir berührt. Die Erinnerung, dass da schon etwas „ausgetrieben“ wird, beim endgültigen Aufstieg der Kundalini-Energie und deren Vereinigung mit Bewusstsein. Wenn sie hochkommt in den Kopfraum und das Gehirn mit reinster Glückseeligkeit durchtränkt. Ja…. da stirbt etwas: das Ego. Und ja, da entweicht am Ende auch die Energie am Scheitel, oder, wie ich es wahrnahm, sie „verdampft dort sanft“.

Und nach einigen solchen Schüben ist man (zumindest wars bei mir so), dann kundalinimässig erstmal „durch“. Dann ist nix mehr mit wilden Prozessen oder ko(s)mischen Bliss-Orgien. Nur mehr sanfter und zufrieden machender Fluss von Lebensenergie.

All die „geilen“ (oder wahlweise auch schlimmen) Prozesse sind letztlich nur vorher, während der spirituellen Suche. Jahrelang kann da zittern sein, schütteln, Hitze, Muskelzuckungen, alle möglichen Phänomene. Der eine nimmt diese als „Orgasmen“ wahr im ganzen Körper (meist sind das die Tantriker), der andere (meist die, die sich dagegen wehren und die Kontrolle behalten wollen) als Schmerz, als Leid, als Kalamität (U.G. Krishnamurti zählt da als bekanntes Beispiel).

Kundalini-Erwachen ist nur der Beginn

Das kann jahrelang dauern und ich persönlich unterscheide da auch das „Erwachen der Kundalini“ bzw „die Erweckung“ dieser Energie einerseits, und den „endgültigen Aufstieg“ (samt dem Entweichen der Energie) andererseits.

Ersteres ist eher als Beginn der spirituellen Reise zu sehen. Das kann schon sehr früh geschehen, als Kind. Oder auch erst später, durch Schicksalsschläge, durch Drogen, durch Yoga oder Tantra oder einfach durch Meditation. Oder als „Unfall“ beim Sex. Das kann jedem letztlich jederzeit geschehen. Im traditionellen Yoga und Tantra natürlich auch als Resonanzübertragung durch einen „Guru“ durch Shaktipat. Was aber letztlich nur Gnade ist und eine gewisse Offenheit da meist schon vorher da ist. Meist wird da nur der letzte Stups gegeben.

Letztlich ist es egal, wodurch die Kundalini ausgelöst wird, aber ab da ist der Prozess praktisch unumkehrbar. Üblicherweise schläft sie dann zeitlebens nicht mehr ein. Und arbeitet sich durch, manchmal wütend, manchmal sanft, letztlich an der Heil(ig)ung des Körpers, des Bodyminds; ja mehr noch des Minds als des Körpers, arbeitet direkt am Nervensystem. An all den Blockaden und Traumen. Tief am Körpergewebe. Aus meiner Sicht ein völlig positiver Prozess, der da beginnt, oft jahrzehntelang dauern kann und letztlich ein evolutionärer Prozess ist.

Ein ganz wesentlicher Punkt dabei ist – vor allem gegen Ende hin dieses Prozesses – zu erkennen, dass man nie selbst derjenige ist, der als „Ich“ die Kundalini kontrolliert. Sondern umgekehrt Kundalini als göttliche Intelligenz zu begreifen, die selbst am allerbesten weiß, was „gut“ für uns bzw den Körper und dessen Ganzwerdung ist. Und wie sie sich dabei am Besten selbst befreit, im ur-eigenen Tempo.

Ab da kann dann Hingabe geschehen. Die Hingabe des Ichs, das glaubt die Kontrolle zu haben (und sie letztlich ohnehin nie hat).

Das „Kundalini-Erwachen“ also, das steht ganz am Beginn des Prozesses. Ich kann gar nicht ausmachen, wann das bei mir war, es muss in der frühen Kindheit schon geschehen sein. Später hat meine erste „lange“ Tantralehrerin (Bodhi Avinasha) diese erweckte Energie in mir erkannt und mir Techniken geschenkt, damit umzugehen. Ausgelöst war die Energie aber schon zuvor. Ein leichtes Zittern und beben war letztlich schon seit Kindheitstagen in mir. Und mein Guruji in Varanasi machte mich dann erst auf die heilige und göttliche Intelligenz von Kundalini so richtig aufmerksam…. – und ermöglichte mir somit, mich hinzugeben. Aufzugeben. Mich Gott („end-lich“) zu ergeben.

Erst dann konnte sie end-gültig „aufsteigen“. Da war ich dann schon 35. Ein jahrzehntelanger Prozess also. Der natürlich durch Tantra sehr glückselig war, ekstatisch, voller Abenteuer, Liebe, und ja, natürlich, auch „Geilheit“. Sexualität ist eine der Ur-Ausdrucksformen dieser Energie. Sie ist immerhin die Basis unseres biologischen Lebens (!) – Verschmelzung, Fortpflanzung, Teilung. Und Gott-sei-es-gedankt fühlt sich das dann sogar gut an, „welch Wunder“. Vielleicht würds ja sonst keiner tun 😉

Gleichzeitig war der Weg natürlich auch von langen Phasen des „gewöhnlichen Lebens“ gekennzeichnet war. Karriere, Familie, das Übliche halt. Vielleicht hats ja deshalb so lange gedauert 🙂

Nun jedenfalls bin ich Mitte 50, das „Ereignis“ ist bald 19 Jahre her. Die Kundalini hat „sanft weitergearbeitet“, noch den ein oder anderen Trip ausgelöst („ich bin auf K“ 🙂 ), Blockaden und alte Traumata gelöst bzw ins Licht des Bewusstseins geholt. Aber insgesamt alles sanft und vor allem ohne irgendwelche körperliche Leiden, Schmerzen o.ä.

Denn all das „Wilde“ gehört für mich in die Phase zwischen Auslösung der Kundalini (manche nennen es „Erwachen der Kundalini“) einerseits, und der Gottesverwirklichung dann am Ende andererseits, wenn Shiva & Shakti als EINS erkannt werden, Energie und Bewusstsein sich vereinen und vereint bleiben (und nachträglich als immer schon vereint erkannt werden).

Während der Suche wütet Kundalini wie ein Orkan, Wasserfall, ein Sturm. Im Guten wie im „Aufregenden“ (als „böse“ empfand ich sie nie, denn letztlich hatte sie immer „Recht“). Aber danach ist sie eher ein sanfter Fluss durch den Körper, kaum wahrnehmbar. Und dennoch nicht getrennt. Einfach permanent tiefe Zufriedenheit spendend. Nicht so wild wie ein Orgasmus. Aber dafür dauerhaft und ohne Bedürfnis nach „mehr“. Das kann durchaus so weit gehen, dass danach der Sex erstmal endet. Zumindest die Sucht ist dann vorbei… 😉

Kundalini holt alle „Dämonen“ ans Licht

Ja, und wenn ich das dann so anschaue, im Rückblick: Ja, Kundalini hat da durchaus einiges „entfernt“. Nicht nur Traumen. Nicht nur Trips. Sondern vor allem die Identifikation mit dem „kleinen Ich“, mit der Person. Das Ego an sich, oder eben „der alte Edgar“ der damals starb und sich für mich wie ein „früheres Leben“ anfühlt, das ich nur geträumt hatte.

Es hat auch diesen tiefen Split entfernt zwischen dem individuellen Bewusstsein (Ego) und dem universellen kollektiven Bewusstsein (Gott). Diesen scheinbaren Split, diese Wand, diesen Vorhang. Die Spitze des Eisbergs hat sich nicht mehr getrennt wahrgenommen, sondern eben als Ganzes. Eine echte Ganzwerdung die im Rückblick vor allem Anfangs so ausgesehen hat, als wäre ich die 35 Jahre vorher „schwer psychisch gestört“ gewesen, regelrecht schizophren. Und nun endlich „geheilt“.

Und aus dieser Sicht, sorry das Sagen zu müssen, wirken praktisch 99% aller Menschen so (ist nicht mehr meine heutige Sicht; aber als „Frisch-Erwachter“ sieht mans halt so….).

Man könnte all das durchaus „Dämonen“ nennen, und das versöhnt mich bisschen mit der Sicht der Kirche aus dem Mittelalter.

Aber nur ein bisschen, denn natürlich wurde damals dann wild projiziert (sprich die Dämonen in den Exorzisten projizierten ihre eigene Störung auf jene, die ihre Opfer wurden). Und es wurde vor allem der Heiler mit der Krankheit verwechselt !! So wie auch im Eingangszitat vom Facebook-Kommentator. So, als wäre Kundalini bzw ihre Phänomene der Dämon. Während sie sich „durcharbeitet“ und gegen dieses künstliche Ego „ankämpft“. Von dem sie ein Leben lang ja letztlich unterdrückt wird – zumindest fühlt sich das danach so an.

Dieses „Ich“, das da wie ein Stöpsel oben draufsitzt wird von der Energie am Ende einfach weggesprengt wie der Korken einer Sektflasche. Voala!

All die Phänomene davor sind also ein Prozess der Heilung, der Genesung. Aber das wurde im Mittelalter natürlich nicht erkannt. Den tragischen Opfern wurde nicht erlaubt durch diesen Prozess hindurch zu gehen, um am Ende des Tunnels evolutionär verändert rauszukommen. Sie wurden quasi zurückgehalten, das Leben wurde angehalten. Vielleicht hätten sie zwischenzeitlich „in Zungen geredet“. Aber am Ende wäre Licht gewesen. Das wurde aber verhindert. Letztlich aus Angst und aus Unwissen.

Und was wirklich tragisch ist: Dieses System lebt durchaus fort in der heutigen Psychiatrie. Ich möchte nicht wissen, wie viele da in diesen Mühlen stecken und mit Medikamenten am Tunneleingang festgehalten werden. Weil Veränderung und Entwicklung letztlich nicht erwünscht ist. Früher waren es „Dämonen“, heute sind es Psychosen und Neurosen. Kein großer Unterschied.

Und ja, klar sind da echte Psychosen dabei. Aber, wenn es sich wirklich um den Kundalini-Prozess handelt, dann sind das Begleiterscheinungen. Heilphasen. Durch die der Geist hindurchgeht und gereinigt und klar am anderen Ende des Tunnels erstrahlt. Kundalini ist da nichts anderes als die natürliche Heilung, mithilfe der Lebensenergie. Der Körper macht das von ganz alleine, da braucht es nicht viel Einmischung. Nur Erlaubnis. Nur ein (innerliches) zur Seite gehen.

Ist das geschehen, ja, dann kann sie am Ende „entweichen“. Mit den letzten Dämonen sozusagen. Der entfernende Dorn, der am Ende mit dem letzten Dorn gemeinsam im Feuer landet.

Sie verbrennt letztlich alles. Genau das ist mit „Fegefeuer“ gemeint. Sie fegt durch den Körper, und das Ego ist der Brennstoff. Und ja, das hat am Ende durchaus auch ein völlig verändertes – flexibles, dynamisches – neuronales Netz im Gehirn als Ergebnis und auch eine veränderte Körperenergetik. Wir sind dann…. – lol – „Homo Sensoriums“ (Insider-Joke aus Sense8 😉 ).  Und der Mensch hat halt grundsätzlich was gegen „Andersartige“ *ggg*

Derjenige der also das obige Eingangszitat geschrieben hat, hat gar nicht so Unrecht. Nur dass „Kundalini“ letztlich den „Reinigungsprozess“ beschreibt und bei jenen, die diese Energie nicht wahrnehmen, heisst das nicht, dass die Dämonen nicht da wären. Sondern nur, dass sie noch nicht gestört wurden 🙂


Der Originaldialog

Am Ende möchte ich ergänzend und zusammenfassend noch den inspirierenden Facebook-Dialog posten, also das Eingangszitat, und meine Antwort drauf. Damit das nicht einfach nur im ewigen Facebook-Stream verschwindet…. 😉

Kommentar: "Meiner Ansicht nach verkörpert die Kundalini die Dämonen im Menschen, und wenn man von einem Erwachen diesbezüglich spricht, ist es das entweichen dieser Kundalini"

Edgar: "Das ist eine hochinteressante Sichtweise. Mein ich ernst. Und möcht gern drauf eingehen:

Wenn man "Dämonen" als das begreift, was man auch "Ego" nennen könnte, oder "Abspaltung", die den Menschen inhärente schizophrene Situation der "Trennung von Gott", oder auch einfach "Ursünde" oder Traumata aus der Vergangenheit ....

... dann ja, dann passiert genau das in diesem Prozess, dass all dies "ausgetrieben" wird, beendet, abgeschaltet, ganzheitlich geheilt, also ge-heiligt. Der Mensch wird wieder ur-sprünglich. Und ja, am Ende des Prozesses gibt es auch das Gefühl, dass die Energie an der Schädeldecke "verdampft" oder austritt.

In diesem Sinne kann man dann sogar mittelalterlichen Praktiken der "Austreibungen" vergeben, denn sie wussten es nicht besser, und wenn Kundalini "gewütet" hat, hat das durchaus wohl so gewirkt, dass man daraus das Konzept von "Besessenheit" machen konnte (nicht wissend, dass die meisten Menschen von diesem Split "besetzt" sind; und somit ihre eigenen unbewussten "Dämonen" und Ängste in diese Prozesse hinein projizierten).

Dennoch halt ich für wichtig zu erkennen, dass in "richtig verstandener Lehre" Kundalini für jene Energie steht, die hier sozusagen eben "den Teufel austreibt". Für die göttliche Kraft und Macht die uns zurückführt zu Gott. Die Urkraft Gottes sozusagen (für mich eher weiblich, Shakti; in christlichen Konzepten aber als "der heilige Geist").

Ich selbst habs so erfahren, dass das, was nach dieser "Heimholung zu Gott" geschieht, durchaus dem Konzept von "Fegefeuer" gleicht. Es ist das Gefühl von Verbrennen, der Muster, des Egos, der falschen Glaubenssätze und auch all das Verbrennen von vorher irrtümlich angenommenen Aberglauben (wozu aber auch die meisten heutigen Religionen zählen).

Und "Kundalini" ist für mich dabei eben jene göttliche Kraft, die eben all das verbrennt.... "im Lichte des Bewusstseins". Eins mit dem Bewusstsein. Nicht davon getrennt. Ewig vereint in und mit Gott/Göttin/Nirvana/Selbst/NichtSelbst/Alles/Nichts/Kosmos/Leerheit.

Und gleichzeitig, ja, ist das Ego der Brennstoff; ist das alles verbrannt, bleibt kein Kundaliniphänomen mehr übrig; es ist nur mehr ruhiger, friedvoller Fluss von Lebensenergie. Der ab und zu wenn nötig mal wieder das Haus auskehrt.

Für mich all das ein durch und durch angenehmer Prozess. Aber am Beginn all dessen, wenn es dem Ego (oder "den Dämonen") an den Kragen geht, wehrt sich alles dagegen und hat purste panische Angst. Die Angst vor dem Tod. Zu Recht. Was aber danach kommt ist reinste und wahrste Göttlichkeit."

Kundalinige Ankündigungen:

Der Kundalini-Kongress mit mir als Speaker findet ab 10. Juli 2017 statt, ist online und kostenlos. Neben mir sprechen noch Andro, HO Gerhard Strauß, Wolf Schneider (Connection), Sabine Sonnenschein, Maria Advaita Bach u.v.m. Zum Kongress kostenlos anmelden


Im August 2017 gebe ich zwei Kundalini-Tantra-Seminare, in Stuttgart und Nähe Basel. Infos dazu hier auf meinem Kalender.


Es gibt von mir auch einen Online-Kurs „Kundalini-Tantra“ wo die Essenz meiner früheren Tantraseminare enthalten ist, z.b. Yoga Nidra, Vagyoga-Kundalini-Meditation, Tantrischer Darshan uvm

Online-Kurs „Kundalini Tantra“
(während Kongress vergünstigt)

 


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